Charakter

der Terrier, der keiner ist.....

 

 

Ich habe ein eigenes Rasseportrait über den Tibet-Terrier geschrieben.

Ich erhebe damit keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern möchte in amüsanter Form über eine ganz besondere Rasse schreiben....

Viel Spaß beim Lesen !

 


„typisch Tibet Terrier“ | Charakter und Verhalten:

Wer einen Tibet Terrier (kurz TT oder von vielen auch mal gerne liebevoll Tibi genannt) kennen lernt wird schnell merken das ein TT einen ganz besonderen Charakter hat. Charakter, im Sinne von Persönlichkeit, und die ist bei jedem Tibet Terrier meist ganz individuell. Ich habe außer meiner bislang insgesamt 4 eigenen schon so viele andere kennen lernen dürfen dass ich sagen kann: keiner ist wie der andere ! Sie sind nicht nur optisch jeder für sich individuell, sondern auch in ihrer Persönlichkeit.


Dennoch gibt es Eigenschaften und auch Eigenarten die man schon als „typisch“ bezeichnen kann. Bei dem einen sind diese Eigenschaften stärker, bei dem anderen auch wieder weniger bis gar nicht ausgeprägt.

 

Und: keine Regel ohne Ausnahme, das nur als Hinweis vorab.

Lernen Sie ihn kennen und ich garantiere Ihnen: Sie werden ihn lieben mit allen Ecken und Kanten, die bei ihm doch immer irgendwie etwas runder aussehen. Sie müssen nur lernen wie er tickt und wie seine Herkunft sein Verhalten noch beeinflusst, damit Sie lernen sein Verhalten zu verstehen. Wer sich auf einen TT einlassen möchte sollte die Rasse erstmal umfassend kennen lernen.

Fange ich gleich beim Thema Kennen lernen an, denn da geht es schon los. Ein TT will unter Umständen überhaupt Nichts von Ihnen wissen und tritt erstmal einen Schritt zurück.

Fremden gegenüber können Sie schon sehr zurückhaltend und abwartend sein. Meine Juma ist eine der besagten Ausnahmen und manchmal wünsche ich mir sie wäre Fremden gegenüber etwas mehr „typisch Tibi“, so wie meine Yamika.

 

Denn meiner etwas zu groß geratenen Hündin Juma ist schon so mancher Strickpulli oder frisch gewaschene Hose zum Opfer gefallen. Ich muss dringend daran arbeiten ihr das abzugewöhnen… Arbeiten ? Ja, sie haben richtig gelesen !

Ich würde die Erziehung eines Tibet Terriers durchaus als „Arbeit“ bezeichnen (nicht für ihn, eher für den 2-beiner),

denn sie sind in ihrem Verhalten schon sehr speziell. Ich bezeichne meine Yamika daher gerne mal als Esel, denn so stur können sie wirken.

Der Trick dabei ist dass Sie als Halter lernen müssen, worauf ihr Tibi reagiert. Er nimmt kleinste Bewegungen und Reaktionen von uns wahr, die wir niemals bemerken würden.

Seien Sie immer auf der Hut !

Er ist unheimlich intelligent und schlau.

Sie müssen einfach schlauer sein und nicht zu oft in diese wunderbaren Augen schauen und sich womöglich von diesem Tibi-Blick einwickeln lassen.

 

Wer mit Einfühlungsvermögen und Motivation eine enge Bindung zu seinem 4-Beiner aufgebaut hat kann mit ihm viel erreichen, denn dann sind Sie ein gutes Team und so macht dem Tibet Terrier auch das lernen, sporteln und Training Spaß. Er muss Vertrauen haben in Ihre Reaktionen und in Ihr Handeln und er muss sich auf ihre Reaktionen verlassen können.

 

Es erfordert von Ihnen auch ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit, denn durch seine Herkunft als Hüte- und Tempelhund ist das Wesen eher auf eigenständiges Handeln ausgerichtet anstatt auf eine enge Führung durch seinen Halter. Oft wird ein Tibet durch diese Eigenarten missverstanden und gilt als "unerziehbar". Doch dem ist nicht so !

Er will seinem Halter nicht gefallen, er hat nicht diesen uneingeschränkten „will to please“ wie man es von vielen anderen Rassen kennt. Erziehungsmethoden die auf die bedingungslose Unterwürfigkeit abzielen (die auf den meisten Hundeplätzen vertreten sind) sind bei einem TT nicht das richtige Mittel zur Wahl.

 

Ein Tibet Terrier benötigt eine klare einfühlsame Führung in die er vertraut und muss entsprechend motiviert werden.

In Punkto „Motivation“ müssen Sie schon einiges bieten, um ihn aus der Reserve zu locken. Manche Exemplare sind unheimlich schwer zu motivieren.Ich kann ein Lied davon singen !

Wenn meine Yamika zum Beispiel in etwas keinen Sinn sieht, dann ist es manchmal nervenaufreibend ihr diesen Sinn zu vermitteln.

Mika Sie sieht zum Beispiel überhaupt keinen Sinn darin in die Kamera zu schauen wenn ich ein Portrait machen will und schaut fast immer demonstrativ zur Seite oder nach unten .

Da heißt es manchmal warten …… schnalzen, pfeifen und mit ganz hoher Stimme fiepsen: „feiiiiiiin ! schau hiiiiier ! !

....bis sie sich dann endlich ergibt….. oder bis sie einfach aufsteht, auf mich zugeht und schaut ob mit mir auch alles in Ordnung ist.

 

 

 

In der Hundeschule hatte ich bei ihr riesige Probleme sie zu motivieren, bis mein Trainer es mir gezeigt hatte. 

Da stand ich dann, besser gesagt hampelte und hüpfte ich über den Platz und gluckste wie eine Irre und siehe da: mein Eselchen bewegte sich, sprang ebenso lustig und freudig über den Platz und machte jede Übung fleißig mit. Mit Juma hab ich dieses Theater nicht so extrem, bei ihr reichen ein paar Leckerchen und nette Worte.

Man sollte sich einfach im Klaren darüber sein dass es so laufen kann und es manchmal von Nöten ist sich zum Affen zu machen.

Auf einem guten Hundeplatz wird ja nicht der Hund erzogen, sondern der Halter! Viele glauben immer noch es sei anders rum ;-)

Diese tibetische Sturheit (oder besser gesagt: ausgeprägte Gelassenheit) ist aber keinesfalls zu verwechseln mit „Dummheit“! - Im Gegenteil ! Ein Tibet Terrier ist überaus intelligent, daher verhält er sich auch so.

 

Ich bezeichne diesen Verhaltenszug gerne als:

 „Einsatz der hohen Intelligenz zur Steigerung der Ökonomie.“

 

Ich empfinde das aber nicht als negativ, sondern schätze diesen Charakterzug sehr. Man muss sich eben nur darauf einstellen und damit umzugehen wissen. Mit Druck oder gar Härte erreichen Sie bei ihm eher das Gegenteil – Verweigerung und den Verlust von Vertrauen in ihre Person. Gehen Sie niemals dieses Risiko ein !

Der Tibi von heute ist eben in gewissen Verhaltensweisen noch immer geprägt durch seine Herkunft. Er ist eigenständiges Arbeiten gewöhnt und hat gelernt sich an die unterschiedlichsten Bedingungen anzupassen. Durch sein enges Zusammenleben, seit je her, mit den Menschen, ist es ihm auch heute noch wichtig einen festen Platz in der Familie zu haben. Er ist es gewohnt immer ganz eng mit „seinen“ Menschen zusammenzuleben und kann sich durch sein Einfühlungsvermögen an fast jede Familiensituation anpassen.

 

Diese Anpassungsfähigkeit kommt dem Halter zugute, denn er kann fast überall dabei sein und das ist ihm auch am liebsten. Egal ob im Büro, im Restaurant & Cafe, auf Reisen, zu Besuch bei Freunden, auf langen Spaziergängen, beim Joggen oder beim Relaxen auf der Couch. Überall wo ein Hund erlaubt ist kann er auch seinen Halter begleiten. Er muss es nur von klein auf vermittelt bekommen.

 

 Unsere Mädels können regelrechte Couchpotatoes sein und schlafen am Wochenende gerne auch mal mit uns aus, aber wenn wir die Leine vom Haken nehmen dann gibt es kein Halten mehr!

 

 

Sie lieben es über die Wiesen und Felder zu flitzen, sich gegenseitig zu jagen oder einfach nur lange Spaziergänge durch die Landschaft zu unternehmen. Hasen und Vögel werden eher nur zum Spaß gejagt und zeugen weniger von einem Jagd-Trieb, sondern eher vom Spieltrieb des Tibis. Das heißt nicht dass es nicht auch diejenigen unter ihnen gibt, die einen ausgeprägten Jagdtrieb besitzen und es dem Halter schwer machen ihn von der Leine zu lassen.

 

Diese Exemplare gibt es wohl bei jeder Rasse. Ein reiner Hüte-Trieb scheint nicht stark ausgeprägt zu sein, und die Bezeichnung als „Begleithund“ ist für die Rasse Tibet Terrier noch die treffendste und passend gewählt. Doch es gibt aber auch kleiner „Hüter“ unter ihnen, und so kann es durchaus vorkommen dass er seine Familie zusammentreiben möchte und aufpasst das sich keiner von der Gruppe entfernt.

Meine zeigen keinerlei Hütetrieb, aber ich habe schon von Tibis gehört, die sich, ohne es vorher vermittelt bekommen zu haben, auf eine Wiese schleichen und das Vieh dort zusammentreiben.

Wenn man ein solch arbeitswütiges Exemplar erwischt gilt es seine Arbeitswut zu stillen. Seine Wendigkeit & Sprungkraft gepaart mit seiner Intelligenz macht ihn zum idealen Partner für den Hundesport.sport Da bieten sich für den TT die unterschiedlichsten Möglichkeiten wie zb Agility, oder sonstige Hunde-Sportarten.

 

 

Auch zuhause will er beschäftigt werden. Nichts ist schlimmer als ein unterforderter zu viel alleingelassener Tibi, der sich als Ausgleich über unsere Einrichtung hermacht.

 

Auch Kinder können sich mit gut einem Tibet Terrier beschäftigen und ihm Tricks beibringen.

Er gilt als sehr kinderlieb und wird im Spiel mit Kindern niemals richtig grob. Er kann sich gut auf sein Gegenüber einstellen und entsprechend einfühlsam reagieren. Wenn er mit Kindern aufwächst und von klein auf mit Kindern zu tun hat, die ihrerseits auch gelernt haben mit einem Hund umzugehen, dann ist er für die Kinder ein toller Begleiter und Spielkamerad.

 

Viele unter ihnen sind regelrechte Clowns und immer zu Späßen aufgelegt. Ihr fröhliches Auftreten und ihr Spieltrieb bis ins hohe Alter hinein macht sie zum idealen Familienhund. Er muss es aber von klein auf lernen und erleben und die Kinder müssen sich im Zusammen leben mit ihm auch an gewisse Regeln halten und akzeptieren, wenn er auch mal keine Lust hat und seine Ruhe braucht !

 

Andererseits ist nicht jeder Tibet Terrier Kindern gegenüber so aufgeschlossen. Wenn er nicht mit Kindern aufwächst kann er sehr zurückhaltend reagieren und zieht sich dann eher zurück. Er kann das Verhalten und die schnellen Bewegungen der Kinder nicht einschätzen und geht lieber auf Distanz.

Meine verstorbene Lhaja war auch so ein Kandidat. Wir haben keine Kinder im Haus und wenn Freunde mit Kindern zu Besuch waren hat sie sich mit einem leisen Grummeln in ihr Körbchen verzogen. Wir haben den Kindern dann immer gesagt sie sollen sie einfach in Ruhe lassen und sich mit den anderen beschäftigen. Genauso gibt es auch Tibis, die ohne Kinder groß geworden sind und absolute Kinder-Fans sind, sobald welche zu Besuch kommen.

 

Unsere Juma zum Beispiel müssen wir eher immer bremsen, damit sie die kleinen 2-beinigen Zwerge nicht umwirft. Ich muss dringend daran arbeiten…. Ups… ich glaube ich wiederhole mich ... ;

 

Ich habe schon mal von den Genen gesprochen, da darf ein ganz wichtiges Gen nicht fehlen, von dem die Mehrzahl der Tibet Terrier Besitzer sicher sagen können das seine Fellnase dieses Gen besitzt: Das „Wildschwein-Gen“ (nicht im wissenschaftlichem Sinne !)

 

Sie haben sicher schon viele auf Bildern gesehen, in Büchern, im Internet oder auch live. Schön sehen sie aus, nicht wahr ? Der Schein trügt…. Begleiten Sie einmal eine Horde Tibi-Freunde auf einem der vielen organisierten Spaziergänge und Sie werden Zeuge wie sich diese wunderschönen frisch gestriegelten, ach so stolzen Aristokraten, verwandeln in eine Horde Wildschweine. 

 

Viele von ihnen lassen keine Pfütze aus, je schlammiger, desto besser. Es scheint ein regelrechter Wettbewerb zu entstehen, wer von der Bande es als erster schafft so auszusehen als käme er auf direktem Wege aus dem Dschungel oder hätte wochenlang „unter Tage“ gelebt.

 

Da steht man dann als kurzfristig geschockter Halter daneben, ist froh wenn man noch eben ein Foto schießen konnte, bevor die ganze Pracht dahin ist und rümpft augen-verdrehend die Nase.

Doch dieser Schock ist nur vorübergehend, denn wenn man sieht mit welcher Hingebung da im Schlamm gesuhlt wird, in Seen gesprungen und geschwommen wird und wie fröhlich ausgelassen die kleinen Wildschweine sich über Sandberge oder Laubhaufen hermachen, dann geht einem früher oder später das Herz auf.

 

Was gibt es denn schöneres als so viel ausgelassene Fröhlichkeit zu beobachten und ich versichere Ihnen: sie werden beim Anblick Ihres eingesuhlten Dreckspatzes so viel Glück empfinden, das Sie die anschließende Tortour des Badens und Kämmens vorerst vergessen werden.

 

Denn das ist einer dieser vielen Glücksmomente im Leben mit einem Tibet Terrier.

 

Es gibt aber auch diejenigen unter ihnen, denen ist dieses alberne Wildschwein-Gehabe einfach nur zuwider und machen einen großen Bogen um jede noch so kleine Pfütze. Mein 16-jähriger Oldie Ganesha hat noch niemals das Wasser auch nur bis zu den Knien betreten und möchte bei Regen kaum den Rasen berühren…. Bähhhh alles nass…igittigitt. Sie kann sich dann auch, nach einem solchen Spaziergang wieder zuhause angekommen, darauf beschränken mich aus sicherer Entfernung zu beobachten wie ich grummelnd meine beiden Wildschweine in der Badewanne wieder in Tibet Terrier verwandele. Ganesha geht währenddessen schon mal ihrem Dienst als Wachhund im Garten nach verbellt jeden, der sich dem Grundstück nähert. Frauchen ist ja noch ne gute Zeit beschäftigt.

Die 2 Schweinchen in der Wanne sind zu sehr mit Leiden und traurig gucken beschäftigt, als jetzt in Ganeshas Gebell mit einzustimmen, was sie liebend gerne machen würden. Ein Tibet Terrier ist an sich ein ruhiger Zeitgenosse, doch er ist auch Wächter seines Zuhauses und schlägt bei Geräuschen schon mal an. Im Rudel macht das ganze aber noch mehr Spaß ! Nicht umsonst warnt an unserem Gartentor ein Schild mit der Aufschrift: „wir jagen im Rudel!“

 

Und mein Rudel, das derzeit aus 3 völlig unterschiedlichen Charakteren besteht, fordert mich jeden Tag aufs Neue heraus und führt mir immer die Vielseitigkeit dieser wunderbaren Rasse vor Augen.

 

Zu den oben aufgeführten Eigenschaften gehören noch viele weitere einnehmende Eigenschaften und auch eigensinnige Eigenarten die ich hier nicht alle im Ganzen erörtern kann......

 

Doch wie bei allen Charakterbeschreibungen einer Rasse darf man nicht den Fehler machen zu pauschalisieren! Es ist doch so: es gibt Beschreibungen für jede Rasse wie der eine sein soll, oder der andere….

 

Aber das ist keine Garantie dass der jeweilige Hund später diese Beschreibung auch erfüllt.

 

Sicher- es gibt Qualitäten, die eine bestimmte Rasse mit sich bringt, wie z.B. die Wendigkeit , doch ob er dadurch später auch eine motivierte Sportskanone wird, ist doch nicht gesagt. Faktoren wie: Haltung, Aufzucht, Prägung und Sozialisation beeinflusst maßgeblich die Entwicklung Ihres Tibet Terriers. Da kann man so viel positiv beeinflussen, leider aber auch viele Fehler machen.

Der größte Fehler ist jedoch, sich ein festes Bild von einem Hund zu machen, den man sich ins Haus holt, das der kleine dann kaum erfüllen kann.

 

Er braucht Zuwendung, Anleitung, Respekt, Toleranz, Gesellschaft, Schutz und Liebe, um sich zu entwickeln. love

 

Man muss den Tibi mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit mit ganz individuellem Charakter akzeptieren, sich einlassen auf das Abenteuer „Tibet Terrier“ und dabei niemals seine Herkunft außer Acht lassen, um ihn zu verstehen.

 

 

Er darf nicht auf sein hübsches Äußeres reduziert werden, denn er ist nicht einfach nur der kleine lustige Wuschelkopf ala` “Boomer“, sondern er ist ein anspruchsvoller Hund, der dem Halter einiges abverlangt und eine große Herausforderung darstellt.

 

Wenn man dazu bereit ist und einfach erstmal Nichts mehr von ihm erwartet als eine Bereicherung für das Leben zu sein, dann garantiere ich Ihnen einen Glücksmoment nach dem anderen, im Zusammenleben mit einem Tibi !

 

 

Denn das war und ist ein

Tibet Terrier seit eh und je:

 

 

„Ein Glücksbringer vom Dach der Welt!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor / copyright: Petra Maaz (2012)